Allgemein

Rezension “Das Labyrinth des Fauns”

Ich weiß gar nicht, ob dieses Buch schon lange in Buchvorschauen und der Werbung angepriesen worden ist. Es schien einfach auf einmal da zu sein, auf Instagram und den Auslagen der Buchhandlungen, an denen ich in letzter Zeit vorbei gegangen bin. Ich war fasziniert, überglücklich, dass ein neues Buch aus Cornelia Funkes Feder herausgekommen ist, dass ich gar nicht lange darüber nachgedacht habe, ob ich es irgendwann lesen möchte. Nicht gerade sofort, ich habe genügend Bücher auf meinem SuB und warum sollte ich überhaupt noch Bücher auf die Stapel packen, wenn ich sie eh bald in Kisten verstauen muss, um sie in eine andere Stadt zu karren? Trotzdem war die vorige Woche ein reinster Albtraum, hauptsächlich auf der Arbeit. Und als ich Freitag Mittag an der Ampel wartete, die mich noch von meinem Zuhause trennte, hatte ich das strickte Bedürfnis mir etwas Gutes zu tun. Ich habe mich also umgewandt und bin die zehn Schritte in die nächste Buchhandlung marschiert und habe mir das Buch gekauft.

INHALT

Spanien 1944. Ofelia zieht mit ihrer Mutter in die Berge, wo ihr neuer Stiefvater mit seiner Truppe stationiert ist. Der dichte Wald, der ihr neues Zuhause umgibt, wird für Ofelia zur Zufluchtsstätte vor ihrem unbarmherzigen Stiefvater: ein Königreich voller verzauberter Orte und magischer Wesen. Ein geheimnisvoller Faun stellt dem Mädchen drei Aufgaben. Besteht sie diese, ist sie die lang gesuchte Prinzessin des Reiches. Immer tiefer wird Ofelia in eine phantastische Welt hineingezogen, die wundervoll ist und grausam zugleich.

MEINUNG

Schon vor vielen Jahren habe ich Cornelia Funkes Schreibstil kennen- und lieben gelernt. Vom Herrn der Diebe über Potilla zu Tintenherz, jede einzelne Welt aus ihrer Feder konnte mich begeistern, beeindrucken, hat mich nachts wach gehalten und mir viele Weisheiten mit auf den Weg gegeben, von denen ich heute noch zehren kann.
Sobald ich “Das Labyrinth des Fauns” aufgeschlagen habe, hat sich der Schreibstil von Frau Funke wie eine warme Decke über mich gebreitet. Ich konnte den Regen und den Staub in der alten Mühle schon fast riechen, spürte die Angst und Wut der Figuren unter der Haut und konnte mich ohne Probleme in dem Buch vertiefen, um dann Unendlichkeiten später wieder aufzutauchen und festzustellen, dass sich die Welt um mich herum weitergedreht hat, während die Zeit für mich stillgestanden hatte.

Nun ist mir natürlich bewusst, dass die Geschichte rund um Ofelia und den Faun schon vor vielen Jahren erzählt wurde. Ich muss zugeben, ich habe den Film nie gesehen, auch wenn ich jetzt wirklich auf den Geschmack gekommen bin. Guillermo del Toro erzählt großartige Fantasy-Geschichten in seinen Filmen und jede ist bildgewaltig und besonders.
Trotzdem bin ich froh, dass es “Das Labyrinth des Fauns” nun als Buch gibt und dass es von Cornelia Funke geschrieben wurde. Ich denke, dass die beiden eine großartige Kombination abgeben und ich könnte mir nur wünschen, dass auch andere von del Toros Filmen von ihr “verbucht” werden.

Die Figuren wirkten auf mich sehr klar umrissen. Jede hatte seine Ecken und Kanten, aber von Ofelia über den Capitán hin zum Faun und Mercedes, waren alle Charaktere scharf und klar gezeichnet. Ihre Gefühle machten Sinn, niemand kam mir überspannt oder zu blass vor.
Ofelia ist, was sie ist – ein Kind, das sich in einer Situation wiederfindet, in der sie nicht sein will. Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, ob der Faun und alles, was ihn verbindet, nun echt waren oder die Gespinste eines Mädchens, das versucht, sich die neue, schreckliche Welt in der sie nun leben muss, irgendwie erträglicher zu machen. Dieses Unwissen trägt meiner Meinung nach sehr zum Charme der Geschichte bei.

Die ganze Geschichte trägt eine Düsterheit in sich, die mich in ihren Bann gezogen hat. Dark Fantasy – und ich nehme jetzt einfach einmal an, dass es sich um dieses Genre handelt – ist normalerweise nicht so mein Fall, aber diese Geschichte ist einfach großartig. Weiters kam mir die Geschichte neu vor, kein aufgewärmter Plot, was man inzwischen schon als angenehme Überraschung ansehen muss.

FAZIT

“Das Labyrinth des Fauns” ist eine dunkle, grobe Geschichte, voller Angst und Grausamkeiten und dunkler Phantasie, die einem unter die Haut geht. Sie überzeugt mit neuen Ideen, plastischen Charakteren und einem großartigen Schreibstil. Wer den Film mochte, wird sicherlich auch mit diesem Buch seine Freude haben, und wer ihn nicht gesehen hat, so wie ich – sollte dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben.


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