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Montagsfrage


Guten Morgen, meine Lieben!

Ich bin heute wieder einmal höchst motiviert und habe schon so viel erledigt, dass ich es euch gar nicht sagen will, weil ihr dann nämlich alle die Augen verdreht und mich mit Papierkugeln beschmeißt.
Deshalb übergehe ich die ganze Selbstbeweihräucherung jetzt einfach und tauche direkt in die Montagsfrage von Antonia ein.

Machst du auch beruflich etwas mit Büchern oder könntest du dir das irgendwann einmal vorstellen?

Tja, wer meinem Blog schon etwas länger folgt, der weiß vielleicht noch, dass ich in der Tat beruflich mal mit Büchern zu tun hatte. Ich war für mehr als drei Jahre als Buchhändlerin tätig und beschreibe es jetzt noch als die schönste Zeit meines Lebens.

In einer Buchhandlung zu arbeiten ist so ziemlich der beste Job, den es gibt. Es ist nicht nur die Tatsache, dass man den ganzen Tag von Büchern umgeben ist. Es sind nicht nur die Neuerscheinungen, die man als erstes in Händen hält, vor allen anderen. Es sind nicht nur die Kollegen, die genauso verrückt sind wie man selbst. Es ist alles. Es ist morgens um sechs alleine in der Warenübernahme stehen, um Kisten zu schleppen und Bücher auszupacken, damit sie im Regal stehen, wenn die Türen aufgehen, auch wenn einem der ganze Kartonstaub die Hände aufreibt. Es sind die Kundengespräche, bei denen du animiert erzählst oder vage erklärst und Leute von deinem neuen Lieblingsbuch überzeugen zu versuchst. Es ist das Klackern der „Zauberfinger“ auf dem Tastenfeld und das Stöbern in der Datenbank und das „Haben wir nicht da, kann ich aber bestellen.“
Es sind Remissionen und Stapel schlichten und neue Autoren und Vertretergespräche und eReader-Schulungen und die Stammkunden, die sich unbesehen Empfehlungen von dir kaufen, weil sie wissen, dass du ihren Buchgeschmack inzwischen ganz genau kennst.

Naja. Vielleicht verkläre ich die ganze Sache auch ein bisschen. Im Nachhinein ist ja alles immer viel besser oder nicht so schlimm oder ganz anders als es in dem Moment ist, in dem man es erlebt, oder?

Es sind nämlich leider auch die Stunden an heißen Tagen, an denen du nur so schmilzt, weil die Klimaanlage nicht funktioniert. Es sind die Kunden, die wütend Bücher zurückbringen, weil sie ihnen nicht gefallen haben oder es nicht genau die Version ist, die sie wollten. Es sind die komplett sinnlosen Diskussionen über Rabatte und das Buchpreisbindungsgesetz. Es sind die Tage, an denen Bücher, die für einen Kunden auf Termin bestellt wurden, einfach nicht rechtzeitig da sind. Es sind die Tage vor Weihnachten hinter der Kasse, wo jeder genervt ist und alles schnell gehen muss. Es sind die irren Begegnungen mit Kunden, die wütend werden, weil deine Buchhandlung keine Bratpfannen, Gartenschläuche oder Glühbirnen führt. Es sind die Momente, wenn man mit Kollegen streitet oder mit dem Chef.

Trotzdem. Im Grunde ist es ein Job wie jeder andere auch. Aber besser. Und irgendwann gehe ich vielleicht zurück und werde wieder ein Teil der Buchhändlerwelt. Wenn Bücher mir eines beigebracht haben, dann dass vieles möglich ist und dass man nie weiß, was kommt.

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6 Kommentare zu „Montagsfrage

  1. Meine Liebe!
    Du vergisst in deiner Aufzählung auch noch die Kunden, die in die Buchhandlung kommen und sagen: „Gute Frau, ich suche dieses eine Buch, dass ich letzte Woche im Vorbeigehen in einem Schaufenster gesehen habe. Leider kenne ich weder Autor noch Titel, aber eines weiß ich ganz genau: Es ist grün!“ 😀

    Meine Mama arfbeitet nämlich seit zig Jahren im Buchhandel und ich kenn sie alle, diese Stories. 😀

    LIebste ebenso motivierte Grüße! ♥
    Gabriela

    Gefällt 2 Personen

  2. Keine Zeit, denn ich müsste schon längst unterwegs sein.
    Doch eines wollte ich dich gern wissen lassen, liebste M:
    Ich habe deinen tollen Beitrag mit Begeisterung gelesen!!!
    Hier schließt das eine das andere nicht aus. Es ist nicht alles
    rosa, aber die Schatten bekommen keine Gelegenheit, sich
    auszubreiten.
    Es hat mir sehr viel Freude bereitet, deine Antwort zu lesen. ❤
    Liebst, Hibi

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo, Hibi!
      Wie schön von dir zu hören! ❤ Ich freue mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. Ich habe wirklich gerne im Buchhandel gearbeitet, allerdings wurde es gegen Ende hin doch ein wenig anstrengend und unsicher, weshalb ich jetzt einen Bürojob habe. Sicherer, aber eben nicht ganz das gleiche. 🙂
      LG, m

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  3. Huhu 😀

    Ich fände es super, im Buchhandel zu arbeiten. Wären da nur nicht die Kunden. Man kann mich einfach nicht auf Kunden loslassen, weil mir ihre Wünsche schnuppe sind. 😀 Deshalb sehe ich mich so gar nicht in diesem Bereich arbeiten. Irgendwann wäre ich gern Literaturkritikerin, aber das ist eine aussterbende Zunft. Wer weiß, vielleicht heißt „was mit Büchern machen“ bei mir einfach nur, meinen Blog weiterzuführen. 🙂

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog
    Viele liebe Grüße,
    Elli

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo, Elli!
      Na, zumindest weiß ich, dass uns dann dein Blog wohl noch laaaange erhalten bleibt. 😉 Und glaub mir, wir haben über die Wünsche mancher Kunden auch gerne die Nase gerümpft. Wie kann man sowas nur lesen? Warum hörst du nicht auf meine Empfehlung? Komm besser gar nicht mehr wieder, du Kunstbanause, aber echt jetzt! XD
      LG, m

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