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Rezension “84, charing cross road”

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Titel: 84, charing cross road
Originaltitel: 84, charing cross road
Autor: Helene Hanff
Verlag: Atlantik
Sprache: Deutsch
Seitenanzahl: 160
ISBN: 978-3455650747
Format: Taschenbuch

Inhalt: Auf der Suche nach seltenen Büchern stößt die New Yorkerin Helene Hanff 1949 auf die Adresse eines kleinen Londoner Antiquariats. Als sie kurzerhand zum Stift greift, weiß sie noch nicht, dass diese ersten Zeilen den Beginn eines über Jahre andauernden Briefwechsels und einer lebenslangen Freundschaft bedeuten.

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Meinung:  Dieses Buch ist nicht sehr dick. Klein und fein. Es ist eher mehr ein Büchlein.  Und vielleicht nicht einmal das. Eigentlich ist es eine Sammlung von Briefen, die über den Zeitraum von 20 Jahren von der New Yorkerin Helene Hanff und einem Mitarbeiter des Antiquariats Marks & Co. in London geschrieben wurden. Es ist ein Ausschnitt aus dem Leben zweier Menschen, die tatsächlich gelebt haben, mit Ehepartnern, Arbeitskollegen, Problemen, Sorgen, Freude, Urlaub und einem interessanten Lesegeschmack. Es gibt einen englischen Ausdruck namens “sonder”. Er bezeichnet die Erkenntnis, dass jeder Mensch, der einem auf der Straße begegnet, ein reichhaltiges und komplexes Leben führt. In diesem Fall finde ich das Wort sehr passend.

Während die ersten Briefe nur aus Anfragen bezüglich bestimmter Bücher und Rechnungen bestehen, wird mit der Zeit einfach immer mehr daraus. Man erlebt, wie Helene immer tollkühner wird in ihren Anfragen und die Antworten vom Antiquar Frank Doel immer fröhlicher und offener.
Außerdem erfährt der Leser so einiges aus dem Leben der beiden und auch von den anderen Mitarbeitern von Marks & Co. oder Frank Doels Frau Nora finden sich einige Briefe in dieser Sammlung.
Es werden Bilder versendet (die leider nicht abgedruckt sind), Weihnachtsgrüße übermittelt und Helene schickt in ihrer Entrüstung über die Lebensmittelrationierung bis in die sechziger Jahre Konserven, Eier und Fleisch nach London.

Zwanzig Jahre zieht sich dieser Briefwechsel. Könnt ihr euch das überhaupt vorstellen? Als Leser wird man Zeuge, wie diese Freundschaft entsteht, mit was für Problemen beide Seiten zu kämpfen haben und was die anderen Leuten in ihrem Leben so machen. Über die Jahre sind wohl einige Briefe verloren gegangen,sodass immer wieder Antworten auftauchen, zu denen es keine Fragen gibt, was schade ist, das ganze allerdings auch echter macht. Sowas kann halt passieren im echten Leben. Auch konnte ich Helenes Wunsch, London einmal zu besuchen, so gut verstehen und bin genauso traurig, wie sie es wohl war, dass sie es in diesen zwanzig Jahren nicht geschafft hat.

Am Ende des Buches habe ich dann doch ein paar Tränen vergossen. Ich hatte das Gefühl mit dem Schließen des Buches Freunde verloren zu haben. Menschen, die echt waren und tatsächlich lebten und nicht die Erfindung von irgendjemand anderem waren. Ich werde niemals erfahren, was aus den Menschen geworden ist, die lange vor meiner Zeit gelebt haben und die ich nur aus Briefen kenne, die nicht einmal an mich gerichtet waren. Selten hat mich ein Buch so berührt. Ich lege euch “84, charing cross road” sehr ans Herz. Ich hoffe, es wird euch ebenso begeistern, wie es mich begeistert hat.

16 thoughts on “Rezension “84, charing cross road”

  1. Huhu 🙂
    Charing Cross road werde ich wohl bis an mein Lebensende mit Harry Potter verbinden, aber das Buch klingt defnitiv nach meiner Kragenweite und könnte meine Assoziationen mit dieser Straße auf jeden Fall bereichern. In anderen Worten, es landet direkt auf meiner Amazon Wunschliste 😀

    Liebe Grüße,
    Smarty

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    1. Es ist wirklich ein wunderbares Buch. Ich hoffe, es findet sich bald in deinem Regal. 🙂
      Ich hatte beim Lesen auch öfters diese Flashbacks, weil ich die Straßennamen und Viertel von U-Bahnstationen kenne oder schon dort entlang gewandert bin. Das war immer eine echt nette Verknüpfung. 🙂
      Liebe Grüße, m

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      1. Me too 🙂
        Auf der Wunschliste ist es schonmal und vielleicht finde ich es unterm Christbaum – wenn nicht, werde ich dem Christkind auf die Sprünge helfen 😉
        Ja, das Viertel ist wirklich nett, an das erinnere ich mich auch noch gut. 🙂

        Liebe Grüße

        Liked by 1 person

      1. Weinen nicht, aber ich bin unglaublich traurig geworden. Da hat sich alles zusammengezogen und ich hab Gänsehaut bekommen. Schon als ich die Anrede las, wusste ich, dass da irgendwas nicht stimmt 😦

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      2. Oh, das mit Frank wars gar nicht. Ich hatte am Ende einfach das Gefühl – ich werde diese Leute niemals persönlich kennen lernen. Ich habe gerade ein paar Freunde verloren.
        Es gibt übrigens eine Fortsetzung zu dem Buch. Mehr oder weniger zumindest. Helene schafft es endlich nach London! 🙂

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      3. Ja, das war auch komisch. Die ganzen Briefe haben so viel Heiterkeit ausgestrahlt und man hat richtig gemerkt, wie die den gegenseitigen Austausch genossen haben. Aber das mit Frank hat mich am meisten getroffen. 😦 die Fortsetzung habe ich gesehen, die stand in der Bib direkt daneben. Irgendwas mit „Die Baronin kommt nach London“ oder so?

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      4. Ja, das Buch heißt “Die Herzogin der Bloomsbury Street”. Es ist auch nett. Ein Tagebuch wirklich. Sie beschreibt die Menschen, die sie trifft so nett. Solltest du auch unbedingt lesen. 😉

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