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Story-Samstag

storysamstag

Mir ist bewusst, dass heute nicht Samstag ist. Aber ich wollte dieses Mal gerne mitmachen bei dem von Tex erfundenen Story-Samstag. Sie hat uns ein Bild gegeben, das zu interpretieren ist. Und weil ich in letzter Zeit immer wieder über das Weltall stolpere – nicht wörtlich – kommt hier das Bild Window von Dmitry Bogoljubov und eine kleine Geschichte dazu. Enjoy.

~Ground Control to Major Tom~

Tommy erwachte mit einem Ruck.

~Ground Control to Major Tom~

Das durfte doch nicht wahr sein. Welcher Witzbold war denn heute für die Musik auf dem Schiff verantwortlich?

Tommy fuhr sich mit einer Hand über die Augen. Diffuses Licht fiel in seine Kabine, so wie immer. Es kam durch das Fenster, das in die Schiffswand eingefasst war. Eigentlich konnte er froh sein. Als Sohn des Captains hatte er das Privileg eine Kabine mit Fenster zu haben. Die meisten anderen Kinder auf dem Schiff schliefen in engen Räumen mit Stahlwänden rundherum. Viele hatten seit Monaten nichts anderes als die tristen, grauen Wände des Schiffes gesehen. Er sollte froh sein, oder nicht?

Tommy konnte sich trotzdem nicht mit dem Blick aus seinem Fenster anfreunden. Der riesige Erdball unter ihm war blau und leuchtete und erzeugte eine Welle von Heimweh, die ihn überrollte wie ein Güterzug. Nach seinen Freunden, nach Fußball mit seinem Großvater, nach Mary von gegenüber, die besser Skateboard fahren konnte als alle Jungen in ihrer Straße.

Wann immer er sich die Nase an der zentimeterdicken Fensterscheibe platt presste, überkam ihn stattdessen eine Welle von Übelkeit. Tommy versuchte den Gürtel zu ignorieren, der die Erde seit einigen Jahren umgab. Nicht mehr gebrauchte Satelliten, enorme Metallteile, Plastik – Müll, der ins All geschossen worden war und der jetzt den Planeten umkreiste. Müll, den man an den Himmel gehängt hatte, weil auf der Erde, unter der Erde, kein Fleckchen mehr frei gewesen war.

Hin und wieder löste sich eines der Trümmer und stürzte hinab zur Erde, um kilometerbreite Krater und Flammenwüsten zu hinterlassen. Deshalb hatten die Menschen die Erde verlassen. Deshalb lebten sie auf engstem Raum zusammengepfercht. Deshalb konnte er nichts anderes tun als aus einem Fenster zu starren und sich zu wünschen, dort unten zu sein. Sich zu wünschen, dass man besser auf den Planeten Acht gegeben hätte.

~For here
Am I sitting in a tin can
Far above the world
Planet Earth is blue
And there’s nothing I can do~

Tommy wandte sich von seinem Fenster ab. Es gab da wenigstens etwas, das er tun konnte.

 

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13 Kommentare zu „Story-Samstag

  1. Hey,

    das ist ja eine tolle Aktion, dieser Story-Samstag! Danke fürs Vorstellen – da werde ich nächste Woche dann vielleicht auch mal mitmachen 🙂

    Deine Story gefällt mir sehr gut. Ich mag Geschichten, die uns in Bezug auf unsere Erde aufrütteln und zum Nachdenken über die Zukunft anregen. Das ist dir sehr gut gelungen 🙂

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag

    Jacy

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo, Jacy!
      Ja, die Aktion ist ziemlich cool. Sobald Tex eine Aufgabe stellt, hat man zwei Wochen, um etwas daraus zu machen. Mach doch mal mit. Ich bin schon gespannt, was sie sich für nächste Woche ausdenkt.
      Und danke für das Lob. 🙂
      LG, m

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