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Das schönste Geschenk

Ich weiß, dass ich euch vor ein bisschen mehr als einem halben Jahr vom Ende meines Jobs in meiner geliebten Buchhandlung erzählt habe. Ich habe geweint, ich habe gelacht, ich bin in Erinnerungen geschwelgt. Ich habe mir einen neuen Job gesucht, der ganz anders ist, als das, was ich in meiner Buchhandlung gemacht habe.
Ist es ein Rückschritt, wenn ich euch sage, dass ich seit Oktober samstags wieder in meiner Buchhandlung bin? Dass ich wieder zwischen all den Büchern bin? Dass ich alte und neue Kolleginnen um mich rum habe und mich wohler und mehr zuhause fühle als jemals zuvor? Vielleicht ein bisschen. Vielleicht auch nicht.
Aber im Moment ist das auch egal. Es geht in diesem Beitrag nämlich um was ganz anderes.

Am Samstag Abend, nachdem wir alle Schotten dicht gemacht, die letzten Leute hinauskomplimentiert und die Kassen abgerechnet waren, drückte mir meine Kollegin plötzlich ein Paket in die Hand. Ein Geschenk. Es war in dieses furchtbare Kinderpapier eingewickelt, das wir zum Einpacken von Geschenken für Kleinkinder verwenden und hatte eine fette grüne Masche obendrauf.
„Pssst!“, sagte sie. „Das ist ein Geheimnis. Von dem darfst du bis Dienstag niemandem erzählen, die anderen bekommen auch eines.“ Ich habe sie perplex angeschaut, versprach, niemandem von dem Geschenk zu erzählen und fragte mich (und sie), womit ich das verdient hatte. Es stellte sich heraus, dass das mein Abschiedsgeschenk war. Mein Abschiedsgeschenk, von dem Abschied vom Geschäft im März. Ein bisschen spät, nicht wahr?

Warum ich das Geschenk erst jetzt, Monate später bekommen habe, wurde mir erst klar, nachdem ich es zuhause ausgepackt hatte.
SONY DSC

Es ist ein Buchumschlag. Selbst genäht. Vor einigen Monaten habe ich auf einem Blog ein Foto von einem Schutzumschlag gesehen, auf dem stand „Ich lese gerade einen Softporno…und Sie?“. Ein Umschlag, der die nervigen Leute, die mit einem auf den Pendlerzug warten, davon abhalten soll, einen beim Lesen zu stören und zu fragen: „Was liest du denn da?“
Ich muss das wohl mal erwähnt haben, denn meine Kolleginnen haben sich wohl daran erinnert und mir einen Schutzumschlag nach diesem Vorbild selbst genäht. (Das erklärt jetzt endlich auch, warum sie über die letzten Monate hinweg eine Nähmaschine in der Küche stehen hatten.)
Ich bin unglaublich stolz auf diesen selbst genähten Umschlag. Ich habe auch ein paar Tränen verdrückt, als ich ihn aus dem Karton gezogen habe. Weil meine Kolleginnen, meine Freunde, Zeit und Muße auf sich genommen haben und mir das Ding gebastelt haben. Mir wird das Herz brechen, wenn unser Geschäft am Ende des Jahres für immer seine Türen schließt und wir uns in alle Winde zerstreuen. Dieses Geschenk werde ich allerdings für immer in Ehren halten.

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8 Kommentare zu „Das schönste Geschenk

  1. *reinhüpf
    Jahaaaaaaaaaaa…ich komme nicht nur zum TTT.^^
    Seit dem Frühjahr kennen wir uns ja noch nicht, somit habe ich die Geschichte soeben erst kennengelernt. ABER: ich habe erst HERZLICH und LAUT gelacht und dann hatte ich etwas Gänsehaut.
    Ein tolles Geschenk ! Ein schöner Einblick !
    Liebst,
    Hibi

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    1. Oh, danke, Libi-Hibi! Schön, dass ich dich mit der Geschichte nicht nur erheitern, sondern auch berühren konnte. Momentan liegt der Umschlag noch im Wohnzimmer, weil ich ehrlich gesagt Angst habe, ihn in der Handtasche herumzutragen. Da wird er bestimmt schmutzig und das wäre schade.
      LG, m

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  2. Was für eine schöne Geschichte 🙂
    Solche Geschenke, die von Herzen kommen und persönlich sind, mag ich am liebsten. Ich verstehe, warum du dich darüber so freust. Ist auch wirklich eine tolle Idee! Ich wurde zwar noch nie darauf angesprochen, was ich denn lese, aber manchmal lese ich Bücher, die mir doch irgendwie peinlich sind… ich weiß gar nicht, warum 😀 Für solche wäre so ein Umschlag auf jeden Fall praktisch!

    Liebste Grüße
    Jacy

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    1. Hallo, Jacy!
      Das Geschenk kam ganz unverhofft. Ich meine, wer käme mehr als ein halbes Jahr später schon drauf, ein Abschiedsgeschenk zu bekommen. Es kommt immer drauf an, wo genau man umgeht. Aber warte mal an einem Bahnhof ein paar Minuten auf den Zug, lies ein Buch und du wirst sicherlich von dem einzigen bärtigen Mann mit Bierdose angesprochen und gefragt, was du gerade liest. 🙂
      LG, m

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      1. Ich stehe jeden Abend eine halbe Stunde am Bahnhof, trotzdem ist mir das noch nie passiert 😀 Aber wie machst du das dann in Zukunft? Hältst du dem Fragenden einfach das Buch mit Umschlag vor die Nase oder hältst du es schon so demonstrativ in den Händen, dass man es gar nicht übersehen kann? ^^

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      2. Hm, darüber habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht näher nachgedacht. Vermutlich werde ich mich für das Demonstrativ-in-Händen-halten entscheiden. Obwohl mit der Mann mit der Bierdose sicherlich trotzdem ansprechen würde. 😀
        LG, m

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